Nano-Risikomanagement

Im Rahmen des Risikomanagements werden Risiken identifiziert, bewertet und die erkannten Risiken bis zu einer gewissen Schwelle reduziert.

Grundsätzlich gelten die herkömmlichen Grundsätze und Anforderungen an das Risikomanagement auch für Nanotechnologien. Allerdings ist bei neuen Technologien im Allgemeinen oder bei den Nanotechnologien im Speziellen die Risikobewertung insofern erschwert, als zumindest in Teilen die (wissenschaftlichen) Grundlagen für eine quantitative Bewertung der Risiken noch fehlen. Diesen Unsicherheiten und dem gleichzeitig rasch wachsenden Wissensstand wird daher im Risikomanagement besondere Beachtung geschenkt.

Auch bei den Anwendungen der Nanotechnologie sind verschiedenste Arten an Risiken relevant. So gibt es neben den unter dem Gesichtspunkt der Gesundheits- und Umweltrisiken diskutierten Aspekten (siehe Kapitel "Risiko-Forschung") auch finanzielle, rechtliche und weitere unternehmerische Risiken zu berücksichtigen.

Risiko-Wahrnehmung, Risiko-Akzeptanz und Risiko-Management sind eng miteinander verknüpft. Nicht jedes Risiko muss zwingend vermieden werden.

Das akzeptierte Risiko

Die Bestimmung des gerade noch akzeptablen Risikos ist ein gesellschaftlicher Prozess und hängt stark von der Risiko-Wahrnehmung ab. Die Schwelle des akzeptierten Risikos kann sich im Lauf der Zeit verschieben und auch je nach Kultur oder Anwendungsbereich unterschiedlich sein.

Ein gutes Beispiel für ein offenbar akzeptiertes Risiko ist der Stassenverkehr: Obwohl wir alle wissen, dass wir uns im Verkehr beträchtlichen Risiken aussetzen, möchte kaum jemand auf die Vorteile der individuellen Mobilität verzichten.

Die Höhe des gesellschaftlich akzeptierten Risikos kann in Gesetzen und Verordnungen festgehalten sein (z.B. in der Form von Grenzwerten wie bei Luftschadstoffen). Einzelne Akteure können sich auch strengere oder zusätzliche Ziele mittels freiwilligen Vereinbarungen setzen.

Beim Abwägen von Nutzen und Risiken muss aber immer auch die Frage gestellt werden, was der Verzicht auf den Einsatz eines bestimmten Materials, einer Anwendung oder einer Technologie bedeutet - auch der Verzicht kann ein Risiko bedeuten!

>> mehr zu Risiko-Akzeptanz, Gesetzen und freiwilligen Massnahmen im Abschnitt "Technologie & Gesellschaft" 

Das ALARP-Prinzip

Da ein vollständiger Ausschluss jeglicher Risiken ("Null-Risiko") mit vertretbarem Aufwand nicht möglich ist, geht man in der Praxis oft einen Kompromiss ein: Die Risiken werden ALARP minimiert.

Das Kürzel ALARP bedeutet auf Englisch "as low as reasonably practicable" - was auf Deutsch so viel heisst wie "so niedrig wie vernünftigerweise praktikabel".

Das ALARP-Prinzip besagt, dass Risiken auf ein Mass reduziert werden sollen, welches den höchsten Grad an Sicherheit garantiert, der finanziell und technisch mit vertretbarem Aufwand realisierbar ist.

Dies bedeutet zum Beispiel, dass ein Risiko als tolerierbar eingestuft werden kann, wenn die Kosten für seine Minimierung höher liegen als die Kosten, die beim Eintritt eines Schadenfalls zu erwarten sind. Im Gegensatz dazu gibt es aber auch Bereiche, wo die Abwägung rein auf der Basis von Geld nicht  greift: Wenn es um Menschenleben geht zum Beispiel.