Der Bund informiert
Der Bundesrat hielt in seinem Aktionsplan "SynthetischeSynthetisch bedeutet: Gezielt und künstlich hergestellt. NanomaterialienObjekte, Verbunde oder Strukturen mit Abmessungen von 1-100 Nanometern in mindestens einer Dimension." fest, dass Information und Kommunikation sehr wichtige Bestandteile der Entwicklung von neuen Technologien sind und deshalb gefördert werden müssen [3]Bundesamt für Gesundheit, Staatssekretariat für Wirtschaft, Bundesamt für Umwelt (2008): Aktionsplan Synthetische Nanomaterialien.. Die Bevölkerung soll die Möglichkeit haben, sich mit den Chancen und Risiken von neuen Technologien auseinanderzusetzen, um sich eine Meinung zu bilden. Je nachdem wie sich die Meinungsbildung gestaltet, kann die Entwicklung einer neuen Technologie eher gefördert oder aber behindert werden.
Im Aktionsplan formuliert der Bundesrat verschiedene Massnahmen zur Kommunikation und Förderung des öffentlichen Dialogs um Chancen und Risiken der Nanotechnologien. Dazu gehört, dass die zuständigen Bundesbehörden Informationen für die Bevölkerung erarbeiten und bereitstellen. Zu diesem Zweck werden bereits bestehende Plattformen (z.B. NanoConvention der EMPA, Nanopublic der Universität Lausanne, NanoRegulation-Konferenz der Innovationsgesellschaft St.Gallen) unterstützt und wo nötig neue Projekte geplant.
Besonders zu erwähnen ist, dass der Bundesrat in seinem Aktionsplan von "Dialog" spricht. Das heisst, es sollen nicht nur Informationen vom Bund zur Bevölkerung gelangen, sondern es soll eine Diskussion stattfinden, in der sich alle Beteiligten – auch die Öffentlichkeit – zu Wort melden können.
>> mehr zum Aktionsplan des Bundesrates im Kapitel "Sicherheit & Risiko"
Durch Wissen zu Akzeptanz?
Die öffentliche Wahrnehmung und die gesellschaftliche Akzeptanz einer neuen Technologie spielen eine wichtige Rolle für deren Entwicklung. Nur wenn eine Technologie von der breiten Bevölkerung mitgetragen wird, hat sie auf dem Markt Chancen.
Der Wissensstand der Bürgerinnen und Bürger, die Chancen- und Risiko-Wahrnehmung sowie die Akzeptanz der Nanotechnologien in der Bevölkerung werden laufend verfolgt, z.B. durch die periodischen Eurobarometer-Befragungen [65]Gaskell et al. (2010): Europeans and Biotechnology in 2010 - Winds of Change?, durch Medienanalysen [66]Zimmer et al. (2008a): Risikowahrnehmung beim Thema Nanotechnologie – Analyse der Medienberichterstattung. oder durch sozialwissenschaftliche Studien z.B. [64]Siegrist et al. (2007): Public acceptance of nanotechnology foods and food packaging: The influence of affect and trust. [67]Zimmer et al. (2008b): Wahrnehmung der Nanotechnologie in der Bevölkerung..
Insgesamt geniesst die Nanotechnologie gemäss diesen Befragungen ein überwiegend positives Image in der Bevölkerung. Gemäss den Ergebnissen des Eurobarometers 2010 [65]Gaskell et al. (2010): Europeans and Biotechnology in 2010 - Winds of Change? sowie einer etwas älteren Erhebung in Deutschland [67]Zimmer et al. (2008b): Wahrnehmung der Nanotechnologie in der Bevölkerung. hat zwar rund die Hälfte der Bevölkerung von der Nanotechnologie noch nichts gehört. Insgesamt unterstützten aber in Europa 61% der Befragten die Nanotechnologien resp. deren Entwicklung.
Im nationalen Vergleich liegt die Schweiz mit der Nanotechnologie ziemlich genau im EU-Durchschnitt (63% positiv eingestellt), wobei aber zwischen den einzelnen Nationen eine grosse Spannbreite besteht (z.B. Island 83%, Türkei 41% positiv eingestellt) [65]Gaskell et al. (2010): Europeans and Biotechnology in 2010 - Winds of Change?.
Welche Rolle Wissen und Vertrautheit mit Nanotechnologien bei der Chancen- und Risiko-Wahrnehmung und letztlich bei der Technologie-Akzeptanz spielen, ist nicht ganz geklärt und scheint von verschiedenen kulturellen und psychologischen Faktoren beeinflusst zu sein [65]Gaskell et al. (2010): Europeans and Biotechnology in 2010 - Winds of Change? [68]Currall et al. (2009): New insights into public perceptions..
Dialog ist der Schlüssel
Bei einem offenen Dialog geht es mitunter um das Einbeziehen von Hoffnungen, Meinungen und Befürchtungen der Bevölkerung. Dafür können sogenannte partizipativePartizipatives Verfahren: Mitwirkung der Öffentlichkeit an Plaunung, Umsetzung oder Evaluation von Projekten. Verfahren eingesetzt werden, wie sie vom Schweizer Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss) in der Schweiz bereits genutzt wurden.
Im Jahr 2006 führte TA-Swiss eine Publifocus-Veranstaltungsreihe mit dem Titel "Nanotechnologie und ihre Bedeutung für Gesundheit und Umwelt" durch. Der Bericht dazu ("Nanotechnologien in der Schweiz: Herausforderungen erkannt") fasst die Meinungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen und dient unter anderem der Information des Parlaments, weil dieses über allenfalls nötige Nano-Gesetzesvorlagen abstimmen muss. Im Vorfeld der Publifocus-Veranstaltungen hat TA-Swiss eine Info-Broschüre verfasst ("Nano! Nanu?"), in der der Entwicklungsstand der Nanotechnologien, sowie die Diskussion um Chancen und Risiken zusammengefasst wurden.
TA-Swiss hat ausserdem den Auftrag, interdisziplinäreVerwendung mehrerer wissenschaftlicher Fachrichtungen zur Erklärung von Phänomenen. Studien zu Chancen und Risiken der Nanotechnologien durchzuführen, die den Politikerinnen und Politikern als Grundlage für ihre Arbeit dienen sollen. Bisher sind die zwei Themen Medizin und Lebensmittel untersucht worden. Die Kurzfassungen der TA-Swiss Studien finden Sie unter "Ressourcen".
Die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften SATW engagiert sich ebenfalls im Bereich Nanotechnologie-Dialog. Sie hat dazu unter anderem die Broschüre "Ist nano nachhaltig?" herausgegeben.


