Potentiale der Nanobots
Als spektakulärste Entwicklungen der Nanotechnologien und als Zukunftsvision gelten sogenannte Nanobots (Nanobots: Wortschöpfung aus "Nano" und "Roboter"), die nur einige Nanometer1 Nanometer (nm) = 1 milliardstel Meter (m) gross sind. Wegen ihrer Kleinheit wären sie in der Lage bis in einzelne Zellen von Lebewesen vorzudringen, was ihnen ein grosses Anwendungsfeld in der Medizin eröffnen würde. Nanobots könnten den menschlichen Organismus selbstständig nach Krankheitsherden untersuchen und diese auch beseitigen - mit geringstmöglichen Belastungen für den Körper.
Nanobots sind nicht zu verwechseln mit sogenannten Nanokapseln oder Nanocontainern. Diese dienen dem gezielten Medikamententransport zu erkrankten Körperzellen. Nanocontainer sind passive Systeme, die bereits heute in der Medizin Anwendung finden. Im Gegensatz dazu wären Nanobots aktive "intelligente" Kleinstmaschinen, die in unseren Körpern mit einer bestimmten Mission unterwegs wären.
>> mehr zu Nanocontainern im Kapitel "Produkte & Anwendungen"
Nanobots in der Medizin
Heute existieren bereits einige Teile für Nanobots. Man ist in der Lage Getriebe, Zangen und Schalter herzustellen und Geisselantriebe, kopiert von Bakterien, zu bauen. Doch die Schwierigkeit liegt bisher darin, all diese Teile zu einem komplexen autonomen Roboter zusammenzubauen.
Der Nanobot-Prototyp des japanischen Forschers Ishiyama von der Tohiku Universität ist mit einer kleinen Metallspitze "bewaffnet", die durch ein Magnetfeld erhitzt werden kann. Ziel ist es, dass sich der Nanobot in TumoreEin Tumor ist eine Anhäufung von sich unkontrolliert teilenden Zellen. einbohrt, um diese dann mit Hilfe von Hitze zu vernichten. Bislang verhindert aber unter anderem die Grösse des Ishiyama-Nanobots seine Anwendungsreife.
Professor Bradley Nelson von der ETH Zürich hat es im Jahre 2004 geschafft einen Nanobot zu entwickeln, welcher sich ferngesteuert durch ein frisches Rinderauge bewegen kann. Doch noch ist die Wissenschaft weit entfernt von Nanobots, wie sie in Zukunftsvisionen beschrieben werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kalkulieren mit ungefähr 15 Jahren bis sie in der Lage sein könnten, Nanobots zu produzieren.
Science Fiction
Nanobots inspirierten auch die Literatur. "Engines of Creation" (Maschinen der Schöpfung, aus dem Jahr 1986) ist der Titel des Buches von Nanowissenschaftler Eric Drexler, welches das Szenario von amoklaufenden, aggressiven Nanobots verarbeitet. Darin ernährt sich der "Grey Goo" (grauer Schleim), eine Masse aus Unmengen von Nanobots, von einfachen Stoffen wie KohlenstoffChemisches Element, Symbol „C“, Ordnungszahl 6, Masse 12.011. und konsumiert in kürzester Zeit alle Dinge auf der Erdoberfläche.
Im Buch "Prey" (Beute) von Michael Crichton werden Nanoroboter mit Hilfe von genmanipulierten Bakterien hergestellt. Sie gelangen durch ein fehlerhaftes Lüftungsrohr in die Aussenwelt, wo sie sich zu einem Schwarm zusammenfinden, der in immer neuen Kampfformationen zunächst nur Kaninchen und Kojoten, schließlich auch Menschen jagt, sie tötet oder – schlimmer noch – in ihnen weiterlebt und nach und nach alle Zellen ersetzt.
2004 haben Chris Phoenix und Eric Drexler [34]Phoenix and Drexler (2004): Safe exponential manufacturing. in der Fachzeitschrift "Nanotechnology" zusammen einen Artikel veröffentlicht, der besagt, dass die Schreckensvisionen von autonomen, sich selbst vervielfältigenden Nanobots nicht realistisch sind. Darin betonen die beiden Autoren, dass für die Weiterentwicklung der Nanotechnologie die Selbstreproduktion (self-replication) nicht notwendig ist und darum verboten werden kann oder sollte.


